Mittwoch, 27. März 2013

Awá: Verzweifelter Aufruf Holzfäller auszuweisen


Das das bedrohteste Volk der Welt hat einen verzweifelten Aufruf an Brasiliens Regierung gerichtet, endlich illegale Eindringlinge aus ihrem Wald auszuweisen. Auch brasilianische Fussballfans unterstützen die Forderung des indigenen Volkes.
Trotz der Anordnung eines brasilianischen Gerichts, dass die Behörden bis Ende März alle Eindringlinge aus dem Gebiet der Awá ausweisen müssen, musste bisher keine einzige Person das Gebiet verlassen. Die Awá sind inzwischen verzweifelt, da illegale Holzfäller und Siedler immer näher rücken.
In einer Videobotschaft an Brasiliens Justizminister erklärt ein Awá: “Ich bin wütend, sehr wütend … Die Holzfäller kommen hierher und fällen die Bäume … Der Justizminister in Brasília kann uns hier helfen, jetzt. Er muss uns jetzt helfen!”

Am Montagabend zeigten auch Fussballfans bei dem Freundschaftsspiel Brasilien gegen Russland ihre Unterstützung für die Awá, indem sie den Schriftzug “Brazil: Save the Awá” schwenkten.
Ein Fan sagte zu Survival: “Ich kann nicht glauben, dass sich dies vor den Augen unserer Regierung abspielt. Ich werde all meine Freunde in Brasilien bitten zu helfen, um Survivals Kampagne zum Schutz der Awá zu unterstützen!”
Amiri, ein weiterer Awá, erklärte gegenüber Survival International: “Wir bitten schon seit langer Zeit darum, dass die Eindringlinge endlich ausgewiesen werden. Es muss jetzt geschehen. Sie müssen ausgewiesen werden. Die Holzfäller haben schon viele Gebiete zerstört. Wir weigern uns, unser Land zu verlieren.”
Annähernd 50 000 Briefe und Mails wurden bereits mit der Forderung an die brasilianische Regierung geschickt, die Eindringlinge aus dem Gebiet der Awá auszuweisen, seit Survival International im April 2012 eine dringende Kampagne zum Schutz des Awá-Volkes gestartet hat.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Es ist ein Skandal, dass die Awá derart in die Verzweiflung getrieben werden. Wenn sie nachts die Kettensägen im Wald hören, scheint es, als ob die Entscheidung des Gerichts und die Versprechen der Regierung vergessen sind. Die Awá brauchen konkrete Taten, jetzt.”
 
Quelle: Survival International


Dienstag, 26. März 2013

UN fordert ‘sofortige Suspendierung’ von Amazonas-Gasprojekt


Die Vereinten Nationen haben einen sofortigen Stopp der Erweiterung eines der größten Erdgas-Projekte im peruanischen Amazonasgebiet gefordert. Es besteht Sorge darüber, dass die Ausweitung für unkontaktierte Indianer in der Umgebung gravierende Folgen haben könnte.
In einem Brief an die Peruanische Regierung fordert der UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung (CERD) eine “sofortige Suspendierung” von Plänen, die die Ausweitung des bestehenden Camisea-Gasprojektes in das Nahua-Nanti-Reservat vorsehen, da die Ausweitung “das physische und kulturelle Überleben der dort lebenden indigenen Völker bedroht”.
CERD reagierte damit auf einen Hilferuf von Perus Indigenen-Organisationen AIDESEP, ORAU und COMARU, die auch rechtliche Schritte gegen die Regierung und die an dem 1,6 Milliarden US-Dollar-Projekt beteiligten Unternehmen angekündigt haben.
Camisea wird von einem Konsortium unterschiedlicher Unternehmen betrieben, darunter das argentinische Unternehmen Pluspetrol, der US-Konzern Hunt Oil und der spanische Erdölriese Repsol. Camisea zählt zu den größten Erdgas-Projekten im Amazonasgebiet.

Das Gasprojekt liegt im Herzen des Nahua-Nanti-Reservates, das zum Schutz des Landes und des Lebens unkontaktierter Völker geschaffen wurde.
Nun planen die Unternehmen seismische Tests im Wald, bei denen Tausende von kleinen Sprengsätzen gezündet werden, und die Bohrung von mehr als zwanzig Erkundungsschächten.
Die Arbeiten werden verheerende Folgen für die Bewohner der Region haben, die vom Wald und seinen Tieren leben. Für unkontaktierte Indianer könnte der Kontakt mit Außenstehenden fatal sein.
2003 erließ Peru eine Präsidialverordnung, die jede Ausweitung des Projektes untersagt. Die Regierung erfüllte damit Kreditauflagen der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB). In klarer Verletzung dieses Erlasses hat Perus Energieministerium einen Teil der Erweiterung von Camisea im April 2012 genehmigt. Eine Genehmigung der nächsten Phase, die etwa 480 Millionen US-Dollar kosten soll, steht unmittelbar bevor.
Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Die peruanische Regierung versprach der Interamerikanischen Entwicklungsbank, dass man das Camisea-Projekt nicht ausweiten würde. Sie erließ sogar eine Präsidialverordnung, um dies gesetzlich festzuschreiben. Nun tut sie aber genau das, was sie versprochen hat nicht zu tun. Es ist kein Wunder, dass die Vereinten Nationen einen Stopp dieses rücksichtslosen Projektes fordern.”

Survival International Deutschland e.V.

Brasilien: Supermärkte verzichten auf Fleisch aus dem Amazonas


Eindämmung der Abholzung für Weideland

Die brasilianische Vereinigung der Supermärkte (Associação Brasileira de Supermercados, Abras) hat bekannt gegeben, auf den Verkauf von Rindfleisch aus der Amazonas Region verzichten zu wollen. Dadurch erhofft sich die rund 2.800 Mitglieder zählende Organisation eine Eindämmung der Abholzung für Weideland im von tropischem Regenwald geprägten Amazonasbecken.

Die Abholzung im Amazonas hat sich in den vergangenen Jahren verlangsamt, allerdings werden weiterhin riesige Landstriche in Weideland und Soja-Plantagen verwandelt. Um ihr Vorhaben zu bekräftigen, unterzeichnete Abras bereits eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt Brasilia.
“Die Vereinbarung sieht eine Reihe von konkreten Maßnahmen vor, die den Verbraucher über die Herkunft des Fleisches sowohl über das Internet und auch in den Supermärkten informiert. Alle Verbraucher werden von diesem Abkommen profitieren”, erklärte Staatsanwalt Daniel Cesar Azeredo Avelino. Demnach wird ein transparentes Kennzeichnungssystem zukünftig dazu beitragen, dass der Verbraucher Fleisch aus dem Amazonasgebiet meidet.

Freitag, 22. März 2013

Weltbank-Kredit: Morde und gewaltsame Vertreibungen für Palmöl

19.03.2013
Gemeinsame Pressemitteilung der Vereine urgewald und Rettet den Regenwald
In Honduras sind bereits 90 Kleinbauern, Gewerkschaftler und Anwälte im Rahmen eines Landkonfliktes um Palmöl-Plantagen systematisch ermordet worden. Die Weltbank-Tochter IFC, die den Palmöl-Konzern Dinant mit einem 30 Millionen Dollar Kredit finanziert, wiegelt in einer Erklärung jegliche Verantwortung ab. Die Bank gibt aber zu, die Ausbildung der Sicherheitskräfte der Palmölfirma zu unterstützen, die zusammen mit Polizei und Militär der Morde und Gewalt beschuldigt werden
Hamburg/Sassenberg – 19. März 2013: Menschenrechtsorganisationen weltweit  verurteilen aufs schärfste eine Erklärung der Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC). Die Bank verteidigt in ihrem Statement den honduranischen Palmöl-Konzern Grupo Dinant und schreibt den blutigen Konflikt Landreformen, die vor Jahrzehnten durchgeführt wurden, grassierender Armut und der Verbreitung von Waffen zu.
Bereits Anfang des Monats hatten 17 Nichtregierungsorganisationen in einem Offenen Brief und mehr als 63.000 Unterzeichner einer internationalen Petition gegen den Kredit protestiert und IFC aufgefordert, ihre Unterstützung für Dinant sofort einzustellen. Die IFC darf auf keinen Fall den zweiten Teil des Kredits von 15 Millionen US-Dollar an Dinant auszahlen.
„Mit dem Training der Wachleute des Palmöl-Konzerns Dinant verschärft die Weltbank die Gewaltspirale im Aguan-Tal in Honduras weiter", erklärt Klaus Schenck von Rettet den Regenwald e.V. „Nur durch friedliche Verhandlungen lässt sich der Konflikt lösen und die Morde nur durch unabhängige Untersuchungen aufklären."
Noch während die Beschwerdestelle CAO der IFC das 30 Millionen Dollar Projekt mit Dinant Anfang März vor Ort in Honduras untersuchte, wurden zwei weitere Bauern entführt, gefoltert und ermordet. Während die IFC behauptet, die Tötungen würden mit voller Kooperation von Dinant durch die Behörden in Honduras untersucht, stellen mehrere Menschenrechtsmissionen fast völlige Straflosigkeit in Bezug auf die Morde fest.
Knud Vöcking, Weltbank-Experte von urgewald, erklärt: "Die IFC Erklärung verdeutlicht die Komplizenschaft mit einer Palmöl-Firma, die in schwerste Menschenrechtsverletzungen verstrickt ist. Die erst 2011 von der Weltbank in Kraft gesetzte neue Palmölstrategie ist offensichtlich nicht das Papier wert, auf dem sie steht".
Deutschland ist einer der wichtigsten Anteilseigner und Geldgeber der Weltbank. Urgewald und Rettet den Regenwald fordern daher, dass das zuständige Bundesentwicklungsministerium (BMZ) einschreitet.
Korinna Horta von urgewald erklärt dazu: „Die IFC muss nicht nur den Kredit kündigen, es muss eine umfassende Untersuchung über die Verwicklung der Weltbankgruppe bei den Menschenrechtsverletzungen in Honduras geben."
Das Menschenrechtskonzept des BMZ von 2011 gilt nicht nur für die direkte Entwicklungszusammenarbeit. Es sagt auch, dass die deutschen Vertreter in Weltbank und anderen multilateralen Organisationen die Inhalte dieser Richtlinie vertreten und ihr Verhalten in den Gremien entsprechend ausrichten sollen. Minister Niebel sollte Ingrid Hoven, die deutsche Exekutivdirektorin in der Weltbank, anweisen, in diesem Fall tätig zu werden.
Für Rückfragen und weitere Informationen:
Knud Vöcking, urgewald, Tel. 0171-2832408, knud@urgewald.de
Klaus Schenck, Rettet den Regenwald e.V., Tel. 040-410 38 04, berlin@regenwald.org

Zwei symbolische Dollarscheine der Weltbank vor einer endlosen Wüste aus Ölpalm-Setzlingen
Hintergrundinformationen
Seit dem Militärputsch von 2009 in Honduras sind Dutzende Morde an bäuerlichen Aktivisten und ihren Unterstützern im Zusammenhang mit Landrechtskonflikten, in die Grupo Dinant, ihre bewaffneten Sicherheitskräfte verstrickt sind, ebenso dokumentiert wie die Unterstützung durch Polizei und Militär. Diese Beweise beinhalten einen Bericht über eine ‚Fact-finding Mission' von internationalen Menschenrechtsorganisationen im März 2011, ein Hearing vor der Inter-Amerikanischen Kommission für Menschenrechte im Oktober 2011, ein internationales öffentliches Hearing zu Menschenrechten in der Region im May 2012 und einen Bericht von Rights Action über Menschenrechtsverletzungen durch Militäreinheiten in der Region, veröffentlicht diesen Monat.
Der gerade erschienene Bericht von Rights Action bestätigt, dass mindestens 88 Mitglieder und Unterstützer von Bauernorganisationen in den letzten drei Jahren im Bajo Aguan Tal gezielt ermordet wurden. Der Bericht dokumentiert die direkte Verwicklung der bewaffneten Sicherheitskräfte von Dinant in den Gewalttaten gegen die Bauernorganisationen. Im Widerspruch zur Behauptung von IFC, dass die Gewalt 2012 aufgehört habe, wurde festgestellt, dass noch im Februar 2013 zwei Bauernaktivisten gefoltert und ermordet worden sind.
Die Deutsche Entwicklungsgesellschaft (DEG) hat 2011 einen Kredit für Grupo Dinant gestrichen. Dies geschah auf Grundlage der Beweise, dass die Firma in schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen involviert. Die Weltbanktochter IFC dagegen unterstützt weiterhin die Firma und wischt, wie das kürzliche IFC Statement zeigt, alle unabhängig zustande gekommenen Beweise vom Tisch.









Donnerstag, 21. März 2013

Edel-Kakao aus Ecuador ist einer der besten Rohstoffe für Schokolade

Mehr als 80% der internationalen Nachfrage nach Edelkakao wird aus Ecuador gedeckt. Viele Kleinproduzenten arbeiten vornehmlich mit der geschmacklich anspruchsvollen Kakaosorte „Cacao Nacional“ und erobern damit den Markt. Nun soll in Deutsch-Ecuadorianischer Zusammenarbeit ein neues Modell zur Unterstützung von Kleinproduzenten von „Cacao Nacional“ etabliert werden. In der Provinz Los Rios ist die Landwirtschaft der bedeutendste Wirtschaftszweig. Riesige Felder mit Kakao, Bananen, afrikanischen Palmen, Kaffee, Reis und Zitrusfrüchten prägen das eintönige Landschaftsbild.
Viele Tagelöhner (jornaleros) verdienen 80 US-Dollar auf den großen, industriellen Plantagen, wenn sie von Montag bis Samstag acht Stunden täglich arbeiten, was nur wenig über dem staatlichen Mindestlohn liegt. Die Kleinbauern in diesem Gebiet dagegen ernähren ihre Familien durch Selbsterzeugnisse vom eigenen Acker und u.a. auch durch den Verkauf von Kakao. Dabei ist die genetisch modifizierte Kakaosorte CCN51 (Collection Castro Naranjal, Reihe 51) sehr beliebt, denn im Gegensatz zu der geschmacklich besseren Sorte „Cacao Nacional“, ist sie wesentlich ertragreicher, kann häufiger geerntet werden und hat größere Kakaobohnen. Verkauft wird an verschiedene Zwischenhändler, die den Preis bestimmen und keinerlei Qualitätsmaßstäbe an das Produkt setzen. Der Kakaobaum kann daher schon mal mit Gift gespritzt sein, auf dem Gelände türmen sich Plastikabfälle und die Kakaobohnen werden neben einer vielbefahrenen Straße unter Abgasnebel getrocknet. 
Alles Faktoren, die den Deutschen Kakaoeinkäufern von Albrecht & Dill Trading GmbH ein Dorn im Auge sind. Sie sind daran interessiert, der immer steigenden Nachfrage an zertifiziertem Edelkakao in Europa und speziell in Deutschland, nachzukommen. Sie wissen, dass der Deutsche Verbraucher ein naturreines Produkt fordert und auch dessen Ursprung zurückverfolgen will.
Schon seit mehreren Jahren engagiert sich auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Ecuador in einigen Kakaoanbaugebieten.
Daher wurde zwischen der GIZ, Albrecht & Dill Trading GmbH und dem Kakaohändler AGROXVEN ein PPP (Public Private Partnership) entwickelt. Ziel war es u.a. eine bestimmte Anzahl an Kleinproduzenten aus Los Rios zu überzeugen, ihre Produktion und Anbaumethoden soweit zu verbessern, dass sie ihren Kakao auch zertifizieren könnten. Dabei wünschte sich Albrecht & Dill die Zertifizierung durch das international anerkannte Unternehmen UTZ Certified. Durch ein UTZ-Programm sollen die Bauern ihre Ernte, ihr Einkommen und ihre Perspektiven verbessern, während sie die Umwelt und die natürlichen Ressourcen der Erde schonen.
Die GIZ arbeitet in anderen Produktionsgebieten mit organisierten Kleinbauernverbänden, im Gegensatz dazu sollte in Los Rios ein großer, professioneller Lieferant mit ins Boot genommen werden, der zum einen gute Kontakte zu den Kleinbauern hat, aber auch bereit ist, eine Anlieferstelle (centro de acopio) aufzubauen. Dort sollte der Kakao korrekt gewogen werden und Techniker sollten den Kleinproduzenten mit technischer Beratung und Gerätschaften zur Seite stehen. Dieser Partner wurde mit dem einheimischen Kakaohändler AGROXVEN gefunden, der sich u.a. auch für den erweiterten internationalen Absatzmarkt durch die UTZ-Zertifizierung interessierte.
Anfang 2011 baute AGROXVEN eine schon vorhandene, zentral gelegene Anlieferstelle für Kakaobohnen zunächst auf 400m² und später bis auf 1.600m² aus und begann mit der Überzeugungsarbeit bei den Bauern. Geschäftsführer Edison Sánchez: „Ehrlich gesagt, war es ziemlich schwierig am Anfang, die Bauern für das UTZ-Programm zu gewinnen, ihnen das Misstrauen zu nehmen und die Vorteile der zusätzlichen Kontrolle ihrer Arbeit schmackhaft zu machen.
“Für die Firma war es auch wichtig, die Region weiterhin mit Arbeit zu versorgen, sowie selber feste, zuverlässige Lieferanten mit UTZ-Zertifikat zu haben. Schließlich konnten zu Beginn 77 Bauern dazu bewegt werden, am Programm teilzunehmen, im zweiten Jahr hat sich bereits eine weitere Gruppe von 80 Bauern für den Zertifizierungsprozess angemeldet. Edison Sánchez ist äußerst zufrieden mit den teilnehmenden Kleinbauern und der Entwicklung: „Ende des Jahres werden wir mehr als 200 Bauern haben, die sich an der UTZ-Zertifizierung beteiligen, was für diese Region auch einen enormen Aufschwung bedeutet.“
Wichtiger Beweggrund ist für viele der finanzielle Anreiz. Wer einen Quintal (1 Quintal ≈1 Zentner ≈ ca. 50 Kilogramm) einfachen Kakao beim lokalen Zwischenhändler verkauft, bekommt 80$. Ein Quintal reiner „Cacao Nacional“ dagegen wird mit $90 und ein Quintal UTZ-zertifizierter „Cacao Nacional“ schon mit $95 bezahlt.
Teil der Abmachung ist, dass Beratungsworkshops für die Kleinbauern angeboten werden, die von AGROXVEN organisiert werden. Stalin Guerrero ist Techniker und macht das Controlling für AGROXVEN: „Auf den Workshops kommt auch das Thema Ertragserhöhung von „Cacao Nacional“ zur Sprache. Schon im ersten Jahr des Programms wurde bei manchen Bauern eine Erhöhung von durchschnittlich 25% erzielt.“ Auf diesen Seminaren wurden auch die Punkte besprochen, die für die Erhaltung des UTZ-Zertifikats wichtig sind, wie zum Beispiel gemäßigter und kontrollierter Einsatz von Pestiziden und kein Abfall auf den Feldern. „Meine Arbeit hat mit Umwelt, aber auch mit ökonomischen und sozialen Aspekten zu tun“ sagt Guerrero. Was anfänglich für die Bauern ein schier endloser Katalog von Bedingungen erschien, wurde dann doch innerhalb eines Jahres erfolgreich umgesetzt. Der Bauer kann bei regelmäßiger Bewässerung und im günstigsten Fall das ganze Jahr über ernten.
Daniel Gutero bewirtschaftet 15 ha von seinen insgesamt 35 ha mit UTZ-zertifiziertem „Cacao Nacional“. „Ich bin absolut zufrieden mit der UTZ-Zertifizierung“, sagt Gutero „weil ich auf meinem Acker jetzt mehr ernten kann. Der Kakao ist mehr wert, wir haben mehr Ahnung über die Kakaoproduktion und vorher hat sich hier keiner um das Thema chemische Dünger gekümmert, jetzt mit den UTZ-Seminaren ist man wesentlich umweltbewusster.“ In der Erntehochzeit kann er ca. eine Tonne im Monat verkaufen. 
Gutero bringt seine Kakaosäcke mit dem Kleintransporter in das Centro de Acopio in Potosí. Für ihn ist auch das Vertrauen in die seriöse Arbeit von AGROXVEN besonders wichtig: „ Ich weiß, dass mein Kakao hier korrekt gewogen wird und wenn ich Fragen habe oder Hilfe brauche, dann kann ich mit dem Techniker reden.“ Er selber muss die Bohnen nicht trocknen, kann sie auch im feuchten Zustand anliefern, dann allerdings wird der Feuchtigkeitsgehalt in einem speziellen Verfahren gemessen und vom Gesamtgewicht abgezogen. Das Geld erhält er sofort in bar. Auf dem Gelände des Centro de Acopio werden die feuchten Bohnen in Holzkästen fermentiert und später in großen Trockenmaschinen unter Gasflammen getrocknet. Später kommt er in Säcke, und die rund 250 Tonnen zertifizierter Kakao jährlich werden nach Amsterdam oder Hamburg zu Albrecht & Dill geschifft.
„Es gibt einen Kleinbauernverband hier in der Nähe in der Provinz Bolivar, der mit 86 Mitgliedern auch recht stark ist. Ich selber,“ sagt Gutero. „bin dort nie Mitglied gewesen, und freu mich, dass AGROXVEN mir sämtliche Dienstleistungen anbietet, sogar Geräte zur Pflege der Bäume und zur Ernte, und ich hier noch viele technische Neuigkeiten zur Aussaat und Pflege für meine Kakaoplantage lerne.“ Diese Form der Zusammenarbeit mit Produzenten und Lieferanten ist für die GIZ Ecuador neu und eine sehr gute Alternative, dort wo es keine Kleinbauernverbände gibt.

Autor: Oliver Hölcke
Journalist und bei der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) in Quito, Ecuador tätig.