Montag, 27. Mai 2019

E-Zigaretten nicht verharmlosen. Dampfen in der Schwangerschaft gefährdet das Kind

Zum Weltnichtrauchertag 2019 am 31. Mai 2019 fordern die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und die Deutsche Lungenstiftung (DLS), Kinder und Schwangere besser vor den schädlichen Einflüssen von Tabakrauch und E-Zigarettenaerosol zu schützen. Neben einem umfassenden Werbeverbot und dem Verbot im Auto zu rauchen oder zu dampfen fordert sie auch, werdende Eltern über die Gefahren der E-Zigarette aufzuklären. Aktuelle Erhebungen legen nämlich nahe, dass Schwangere die Risiken des Dampfens unterschätzen und fälschlicherweise davon ausgehen, dass E-Zigaretten bei der Entwöhnung von Tabakzigaretten helfen.
Laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts raucht jede zehnte Frau in Deutschland während der Schwangerschaft Zigaretten (1). Damit stören sie die Entwicklung des Kindes im Mutterleib und erhöhen sein Risiko für diverse Erkrankungen im späteren Leben. „Da die E-Zigarette als Hilfsmittel zu sanften Ausstieg aus der Tabakabhängigkeit beworben wird, müssen wir annehmen, dass Schwangere, die das Rauchen aus eigener Kraft nicht aufgeben können, E-Zigaretten als Alternative nutzen, sagt Professor Dr. med. Robert Loddenkemper als Vertreter der DGP. Diese Vermutung wird von einer amerikanischen Langzeitstudie bestätigt, an der über 3.000 Frauen teilnahmen, die währenddessen Mütter wurden (2). Sieben Prozent von ihnen gaben an, während der Schwanger-schaft E-Zigaretten geraucht zu haben. Die Hälfte von ihnen nannte als Begründung, dass E-Zigaretten weniger schädlich für das Kind seien und zudem bei der Tabakentwöhnung helfen würden. Jede vierte Schwangere wusste nicht, dass ihre E-Zigarette den Suchtstoff Nikotin enthielt.

Lungenexperten halten diese Ergebnisse für besorgniserregend, wenngleich für Deutschland noch keine Zahlen erhoben wurden. „Die Studie zeigt, dass die Vermarktungsstrategie der Industrie auf-geht, die die schädlichen Effekte von E-Zigaretten verharmlost“, sagt Professor Dr. med. Stefan Andreas, der die Deutsche Lungenstiftung vertritt. Zwar sind die gesundheitlichen Langzeitfolgen der E-Zigarette nicht so gut untersucht wie die des Tabakkonsums. Als belegt gilt aber, dass Nikotin die embryonale Entwicklung stört: Zu den Folgen zählen Früh- oder Totgeburten, ein niedriges Geburtsgewicht und ein erhöhtes Asthmarisiko (3). Auch in nikotinfreien E-Zigaretten fanden Forscher Substanzen, die akute Entzündungen im Lungengewebe hervorrufen können (4). Um werdende Mütter und ungeborene Kinder zu schützen, fordert die DGP deshalb eine bessere Aufklärung und Angebote, um rauchende Schwangere bei der Tabakentwöhnung zu unterstützen. „Der überwiegende Anteil der unabhängigen Studien konnten nicht zeigen, dass E-Zigaretten beim Rauchstopp helfen“, ergänzt Andreas. „Vielmehr wird deutlich, dass mit dem Umstieg auf E-Zigaretten eine neue Sucht geschaffen wird.“

Zum Schutz von Schwangeren und Kindern fordern DGP und DLS auch ein Rauchverbot in geschlossenen Räumen und Autos. Schon das Rauchen einer Zigarette oder E-Zigarette führt zu einer hohen Konzentration verschiedener Schadstoffe wie Feinstäube, Nikotin, Propylenglykol und Ace-ton, die bei Kindern chronische Erkrankungen der Atemwege verursachen können (5). „Nicht zuletzt müssen Kinder auch durch ein umfangreiches Werbeverbot für Tabak und E-Zigaretten geschützt werden“, betont Loddenkemper. Untersuchungen ergaben, dass jeder zehnte Jugendliche über Anzeigen auf dem sozialen Netzwerk Facebook dazu gebracht wurde, E-Zigaretten auszuprobieren (6). Mit zahlreichen süßlichen Aromen sind sie vor allem für diese Zielgruppe besonders ansprechend. Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab, dass 22 Prozent der Jugendlichen, die bereits mit E-Zigaretten Erfahrungen gemacht hatten, in der Folge auch Tabakzigaretten rauchten – bei ihren nie-rauchenden Altersgenossen waren es nur 10 Prozent (7).


Quellen: 

(1) Kuntz B, Zeiher J, Starker A, et al. Rauchen in der Schwangerschaft – Querschnittsergebnisse aus KIGGS Welle 2 und Trends. J Health Monitor 2018; 3:47-54
(2) Kapaya M, D’Angelo DV, Tong VT, et al. Use of Electronic Vapor Products Before, During, and After Pregnancy Among Women with a Recent Live Birth — Oklahoma and Texas, 2015. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2019; 68:189–194 
(3) Deutsches Krebsforschungszentrum. Gesundheitsrisiko Nikotin. Fakten zum Rauchen. Heidelberg: DKFZ; 2015.
(4) Brożek GM , Jankowski M& Zejda JA. Acute respiratory responses to the use of e-cigarette: an in-tervention study, Scientific Reports 2019; 9:6844
(5) Schober W, Fembacher L, Frenzen A, Fromme H. Passive exposure to pollutants from conventional cigarettes and new electronic smoking devices (IQOS, e-cigarette) in passenger cars. Int J Hygiene Environ Health 2019; 222: 486–493
(6) Camenga D, Gutierrez KM, Kong G, et al. E-cigarette advertising exposure in e-cigarette naïve ado-lescents and subsequent e-cigarette use: A longitudinal cohort study. Addict Behav 2018; 81:78-83 
(7) Morgenstern M, Nies A, Goecke M, Hanewinkel R. E-Zigaretten und Einstieg in den Konsum kon-ventioneller Zigaretten – Eine Kohortenstudie bei Jugendlichen der Klasse 10. Dtsch Arztebl Int 2018; 115:243-248.

Sonntag, 26. Mai 2019

Stillförderung lässt weltweit mehr Kinder überleben und bringt bares Geld

Mehr gestillte Kinder könnten die Gesundheitssysteme weltweit um riesige Beträge entlasten. Ökonomische Analysen haben den Einfluss des Stillens auf vermeidbare Todesfälle und Erkrankungen untersucht. Insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern ist jeder US-Dollar, der in Stillförderung investiert wird, gut investiertes Geld. Intensive Stillförderung würde das Ziel mehr ausschließlichen Stillens in den ersten 6 Monaten auf mindestens 50% aller Babies bis 2025 näher bringen. Das könnte die vorzeitigen Sterbefälle in Ländern mit einer hohen Kindersterblichkeit um circa 820 000 pro Jahr verringern.
Mehr gestillte Kinder könnten die Gesundheitssysteme weltweit um riesige Beträge entlasten. Das gilt sowohl in den sogenannten Industrienationen, wie auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Immer häufiger wurden zuletzt ökonomische Analysen im Kontext des Stillens durchgeführt um den Einfluss des Stillens auf vermeidbare Todesfälle und Erkrankungen zu untersuchen. Auch die Kosteneffektivität für das Gesundheitssystem und damit die Bedeutung für die Gesellschaft wurden erforscht .
Insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern ist jeder US-Dollar, der in Stillförderung investiert wird, gut investiertes Geld, denn er bringt einen wirtschaftlichen Ertrag von 35 US-Dollar. Und noch eine Zahl lässt aufhorchen: vergleichsweise überschaubare 4,70 Dollar für jedes Neugeborene wären erforderlich, um Stillförderung so intensiv zu betreiben, dass das von der Weltgesundheitsorganisation genannte Ziel der Steigerung des ausschließlichen Stillens in den ersten 6 Monaten auf mindestens 50% aller Babies bis 2025 erreicht werden könnte. Das könnte die vorzeitigen Sterbefälle in Ländern mit einer hohen Kindersterblichkeit um circa 820 000 pro Jahr verringern. Damit hätte das Stillen als Einzelmaßnahme den größten gesundheitsförderlichen Einfluss auf die Kindersterblichkeit in Schwellen- und Entwicklungsländern. Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler schätzt auf Basis von Modellrechnungen, dass bereits eine 10%ige Steigerung der Rate ausschließlich gestillter Kinder eine Kostenreduktion von mindestens 312 Millionen US-Dollar in den USA, 7,8 Millionen US-Dollar in Großbritannien, 30 Millionen US-Dollar in China und 1,8 Millionen US-Dollar in Brasilien zur Folge hätte. Eine Erhöhung der Stillraten auf 90% in Brasilien, China und den USA sowie auf 45% in Großbritannien würde die Behandlungskosten für häufig auftretende Kinderkrankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall und Asthma sehr deutlich senken. Die USA würden dadurch mindestens 2,45 Milliarden US-Dollar, Großbritannien 29,5 Millionen US-Dollar, China 223,6 Millionen US-Dollar und Brasilien 6,0 Millionen US-Dollar einsparen. Für Deutschland gibt es aktuell keine entsprechenden Schätzungen. Es besteht aber Konsens darüber, dass niedrige Stillraten nicht nur ein Problem von Schwellen-und Entwicklungsländern sind. 
Auch bei uns würde das Gesundheitssystem also in vielerlei Hinsicht – die Auswirkungen auf die Krankheitskosten der Frauen sind noch nicht berücksichtigt- von mehr Stillförderung profitieren. Um einen Überblick über Strukturen, Akteure und Maßnahmen zur Stillförderung in Deutschland.zu bekommen wurde das Forschungsprojekt Becoming Breastfeeding Friendly aufgesetzt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat das Netzwerk Gesund ins Leben und die Nationale Stillkommission beauftragt, dieses Vorhaben für Deutschland durchzuführen. Die Universität Yale begleitet den gesamten Prozess wissenschaftlich. Becoming Breastfeeding Friendly wird die aktuelle Situation der Stillförderung in Deutschland systematisch abbilden und Daten für die Stillförderung und den Stillschutz in Deutschland liefern. Ergebnisse und Empfehlungen werden am 5. Juni auf einer Fachkonferenz in Berlin vorgestellt.
Britta Klein Geschäftsstelle   Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie

Bakterien in fermentierten Lebensmitteln interagieren mit unserem Immunsystem

Milchsäurebakterien sind gut für den Körper und spielen für unsere Gesundheit eine zentrale Rolle. Warum das so ist, war bislang weitgehend unerforscht. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben nun herausgefunden, dass Menschen und Menschenaffen auf ihren Zellen einen Rezeptor besitzen, welcher durch Signale von Bakterien aktiviert wird, die in fermentierten Lebensmitteln vorkommen. Die Studie liefert damit neue Einblicke in die evolutionäre Dynamik zwischen Mikroben und Immunsystem. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler aktuell im Forschungsmagazin Plos Genetics veröffentlicht.
Milchsäurebakterien, die Milch in Joghurt und Kohl in Sauerkraut verwandeln, haben eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den menschlichen Organismus. Sie werden entweder mit fermentierter Nahrung aufgenommen oder besiedeln dauerhaft den Darm. Leipziger Wissenschaftler belegen nun erstmals die molekularen Mechanismen, wie Milchsäurebakterien mit unserem Körper interagieren. Zunächst untersuchten die Forscher Proteine auf der Oberfläche von Zellen, die Hydroxycarboxylsäure (HCA)-Rezeptoren genannt werden. Die meisten Säugetiere haben zwei Arten von diesem Rezeptor, nur bei Menschen und Menschenaffen gibt es einen dritten, den HCA3. „Wir haben evolutionäre, pharmakologische, immunologische und analytische Methoden kombiniert und untersucht, warum dieser Rezeptor uns während der Evolution erhalten geblieben ist“, so Studienleiterin Dr. Claudia Stäubert vom Rudolf-Schönheimer-Institut für Biochemie der Medizinischen Fakultät. Unsere menschlichen Vorfahren lebten zu einer Zeit großer Veränderungen auf der Erde, die auch ihren Lebensraum und damit das Nahrungsangebot beeinflussten. Diese führten zu einem neuen Lebensstil, der dadurch gekennzeichnet war, dass weniger frisches Obst verfügbar war und mehr herabgefallene fermentierte Früchte aufgenommen werden mussten. In diesem Szenario stellte der Rezeptor HCA3 möglicherweise einen entscheidenden Vorteil dar. „Wir haben im Zuge dieser Studie entdeckt, dass eine Substanz, die in hohen Konzentrationen in fermentierter Nahrung wie Sauerkraut vorkommt, den Rezeptor HCA3 aktiviert und so die Funktion des menschlichen Immunsystems beeinflusst“, so Stäubert. Die Wissenschaftler um Stäubert belegen mit ihrer Studie, dass nach dem Genuss von Sauerkraut Konzentrationen einer Substanz namens D-Phenylmilchsäure im Blut nachgewiesen werden können, die ausreichen, um den Rezeptor HCA3 zu stimulieren. „Unsere evolutionären und funktionellen Analysen stützen die Hypothese, dass dieser Rezeptor in Menschen und großen Menschenaffen während der Evolution als neues Signalsystem erhalten geblieben ist, um Funktionen des Immunsystems anzusprechen“, resümiert Stäubert. Die neu entdeckte Substanz D-Phenylmilchsäure teilt Immunsystem und Fettzellen über den Rezeptor mit, dass zum einen Fremdstoffe und zum anderen Energie in den Körper gelangt sind. 
„Unzählige Studien zeigen positive Effekte auf, die durch Milchsäurebakterien und fermentierte Nahrungsmittel vermittelt werden. Wir sind überzeugt davon, dass der HCA3 für einige dieser Effekte verantwortlich sein muss.“ sagt Stäubert. Kommende Forschungsarbeiten werden der Frage nachgehen, wie genau D-Phenylmilchsäure das Immunsystem und die Energiespeicherung beeinflusst, um herauszufinden ob der HCA3 auch als therapeutischer Angriffspunkt zum Beispiel zur Behandlung des Reizdarmsyndroms dienen könnte. Die Studie vom Rudolf-Schönheimer-Institut für Biochemie mit Direktor Prof. Dr. med. Torsten Schöneberg wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik des Universitätsklinikums Leipzig, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) durchgeführt.
Peggy Darius Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion Universität Leipzig

Diese Immunzellen exprimieren den betreffenden Rezeptor. Kern und Cytoskelett sind gefärbt.
Diese Immunzellen exprimieren den betreffenden Rezeptor. Kern und Cytoskelett sind gefärbt.
Claudia Stäubert

Dienstag, 14. Mai 2019

Archaeopteryx bekommt Gesellschaft

Forscher der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) sowie der LMU München beschreiben einen bislang unbekannten Vogel aus dem oberen Jura – es ist erst der zweite bekannte flugfähige Vogel aus dieser Periode überhaupt, neben dem berühmten Archaeopteryx.
Der Thron des Archaeopteryx wackelt. Seit im Jahr 1861 das erste Fossil des Urvogels gefunden wurde, gilt er als einziger Vogel aus der erdgeschichtlichen Periode des Jura. Er belegt als Übergangsform zwischen Reptilien und Vögeln, dass die heutigen Vögel direkte Nachfahren von Raubdinosauriern sind. Alle bislang von ihm gefundenen Exemplare stammen aus dem Gebiet des Solnhofer Archipels, das sich im Jura im Bereich des heutigen Altmühltals erstreckte, in der Gegend zwischen Pappenheim und Regensburg. Hier lebte Archaeopteryx vor etwa 150 Millionen Jahren in einer Riff-Insel-Landschaft. Nun hat ein Team um Prof. Oliver Rauhut einen bislang unbekannten Vogel aus der Gegend taxonomisch beschrieben, es ist der zweite bekannte flugfähige Vogel aus dieser Periode überhaupt: Alcmonavis poeschli. „Das weist darauf hin, dass die Diversität der Vogelwelt im oberen Jura größer war als bislang bekannt“, sagt Rauhut, Paläontologe am Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU sowie an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie. 

Von Alcmonavis poeschli wurde nur ein Flügel entdeckt. „Wir hatten erst angenommen, dass auch dieses Exemplar ein Archaeopteryx ist, und haben es uns bei der Untersuchung nicht leicht gemacht. Es sind Ähnlichkeiten da, aber seine fossilen Reste lassen vermuten, dass es sich um einen etwas höher entwickelten Vogel handelt“. Wie die taxonomische Studie, die aktuell im Fachmagazin eLife veröffentlicht ist, zeigt, war Alcmonavis poeschli nicht nur etwas größer als Archaeopteryx. Er konnte offenbar auch besser fliegen: „Muskelansatzstellen am Flügel deuten auf ein verbessertes Flugvermögen hin“, sagt Rauhut. Alcmonavis poeschli weist mehrere Merkmale auf, die Archaeopteryx nicht hat, stammesgeschichtlich jüngere Vögel aber schon. Diese deuten auf eine bessere Anpassung an den aktiven Flatterflug hin. 

Damit bringt Alcmonavis poeschli neuen Schwung in die Debatte, ob der Vogelflug über den Gleitflug entstanden ist. „Seine Anpassungen zeigen, dass die Evolution des Fluges relativ schnell vorangeschritten sein muss“, sagt Dr. Christian Foth von der Université de Fribourg (Schweiz), einer der Koautoren der Studie.

Seinen Namen verdankt der nun erstmals beschriebene Vogel dem alten keltsichen Namen der Altmühl, Alcmona, und seinem Entdecker Roland Pöschl, der die Ausgrabungen im Steinbruch am Schaudiberg bei Mörnsheim leitet. In denselben Plattenkalkablagerungen wurde auch ein weiteres Fossil eines Archaeopteryx entdeckt. Die beiden Urvögel haben also offenbar parallel in der damals subtropischen Lagunenlandschaft Süddeutschlands gelebt.
Dr. Eva-Maria Natzer Öffentlichkeitsarbeit                                                         
Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Die Abbildung zeigt einen Flügel von Alcmonavis poeschli, wie er in den Plattenkalkablagerungen gefunden wurde. Alcmonavis poeschli ist der zweite bekannte flugfähige Vogel aus der Periode des Jura.
O. Rauhut, SNSB/LMU

Agrarökologen der Universität Göttingen plädieren für integrative Naturschutzkonzepte

In Naturschutz und Landwirtschaft gibt es zwei gegensätzliche Konzepte, wie eine hohe Artenvielfalt und eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion zu verbinden sei: Naturschutz soll in Produktionslandschaften integriert oder in Form von reinen Schutzgebieten segregiert werden, um auf den Produktionsflächen maximale Erträge zu ermöglichen. Forscherinnen und Forscher der Universität Göttingen plädieren für integrative Lösungsansätze, die Naturschutz und landwirtschaftliche Produktion in nachhaltig bewirtschafteten Agrarlandschaften vereinbaren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift People and Nature erschienen.
„Viele Forscher argumentieren, dass die landwirtschaftliche Produktion auf den bestehenden Flächen intensiviert werden solle, um die Erträge zu steigern und gleichzeitig den landwirtschaftlichen Druck auf die letzte Wildnis zu verringern. Dieser Ansatz wird vor allem in tropischen Ländern verfolgt“, erläutert Dr. Ingo Grass aus der Abteilung Agrarökologie an der Universität Göttingen und Erstautor der Studie. „Allerdings sind Biodiversität und Landwirtschaft oft eng miteinander verflochten und viele Arten sind auch für den Landwirt von Nutzen. In den Kulturlandschaften Europas sind viele schützenwerte Arten an extensiv bewirtschaftete Lebensräume angepasst. Diese Arten sind durch die zunehmende landwirtschaftliche Intensivierung bedroht“, ergänzt Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung. 

In ihrer interdisziplinären Studie argumentieren die Forschenden für eine stärkere Integration dieser beiden kontrastierenden Konzepte. „Moderne und nachhaltige Agrarlandschaften erfordern sowohl landsparende und ertragreiche Produktionsgebiete, unberührte Lebensräume als auch extensiv bewirtschaftete Flächen. Diese Kombination ermöglicht nicht nur die höchste Artenvielfalt, sondern fördert auch Ökosystemdienstleistungen wie die Bestäubung und biologische Schädlingsregulierung durch Insekten und Feldvögel. Diese sind für eine nachhaltige Agrarproduktion essenziell“, so Grass. Die verschiedenen Landschaftselemente und Lebensräume sollten dabei durch Hecken und Korridore verbunden sein, so die Autorinnen und Autoren, um ein Maximum an Artenvielfalt und Ökosystemdienstleistungen zu schaffen.

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen                                                                            
Eine strukturreiche Agrarlandschaft (Rumänien) kann die Artenvielfalt fördern.
Eine strukturreiche Agrarlandschaft (Rumänien) kann die Artenvielfalt fördern.                                                 Foto: Laura Sutcliffe

Sonntag, 12. Mai 2019

Monsanto in Frankreich wegen Gesinnungsregister unter Druck

Paris - In Frankreich gerät Monsanto wegen der Erhebung personenbezogener Daten von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie zahlreicher Journalisten unter Druck.
Wie die Tageszeitung „Le Monde“ am vergangenen Donnerstag (9.5.) berichtete, wurden mehreren Medien Dateien zugespielt, die Register mit Informationen zu mehr als 200 Personen enthalten und die von Unternehmen, die Monsanto mit der Kommunikation zu Glyphosat betraut hatte, im Jahr 2016 erstellt wurden. Fast die Hälfte der Einträge betreffe Journalisten; außerdem seien Politiker, Beamte, Wissenschaftler sowie Vertreter von Berufsverbänden und Nichtregierungsorganisationen (NGO) aufgeführt.

Laut „Le Monde“ sind neben den Namen eine Vielzahl von Informationen gespeichert, darunter auch die Position der Personen zu Glyphosat und anderen landwirtschaftlichen Themen. Zudem werde Bezug auf Maßnahmen genommen, die in Verbindung mit der damals anstehendenWiederzulassung des umstrittenen Herbizids stünden.

Nach Angaben der Zeitung „Le Parisien“ wurden die Betroffenen in Gegner und Unterstützer eingeteilt; auch vorrangige Ziele und „Schlüsselakteure“ seien ausgewiesen worden.

Die damalige französische Umweltministerin Ségolène Royal sei ebenso wie ihre Amtskollegin aus dem Gesundheitsressort, Marisol Touraine , als Glyphosatgegnerin eingestuft und die Zielsetzung ausgegeben worden, „ihre Stimmen zu isolieren“.

Die Datensammlung wird auch ein juristisches Nachspiel haben. Ein betroffener Journalist von „Le Monde“ hat bei der Pariser Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Unbekannt erstattet; auch die ebenfalls betroffene Umweltorganisation Générations Futures kündigte an, Maßnahmen zu prüfen.

Nationale Datenschutzbehörde eingeschaltet

Nach Angaben der Zeitung verstößt eine derartige Sammlung und Verarbeitung personenbezogener Daten gegen geltendes Recht, auch weil ohne Zustimmung der Betroffenen Informationen zu den politischen und lebensanschaulichen Einstellungen gesammelt worden seien. Die Archivierung in englischer Sprache lege zudem nahe, dass die Daten auch international weitergegeben worden seien.

Der Anwalt von „Le Monde“, François Saint-Pierre, erklärte, es könne nicht akzeptiert werden, dass ein multinationales Unternehmen Journalisten anhand der von diesen durchgeführten Recherchen klassifiziere. Dies sei illegal und selbst den Polizeibehörden nicht gestattet.

Medienberichten zufolge wird sich auch die nationale Datenschutzbehörde (CNIL) mit dem Fall befassen. Bayer erklärte derweil, keine Kenntnis von den Vorgängen bei Monsanto zu haben, zumal es sich 2016 noch um zwei unabhängige Unternehmen gehandelt habe.


Quelle: dpa

Schweizer kaufen qualitativ hochwertigeres Fleisch als Deutsche

Bern - Die Schweizer Konsumenten greifen tendenziell eher zu qualitativ hochwertigem Fleisch als Verbraucher in Deutschland und geben insgesamt mehr Geld für ihren Fleischkonsum aus.
Nach Angaben des Schweizer Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) hat eine Marktanalyse ergeben, dass die Bürger der Eidgenossenschaft mit 52,1 kg pro Kopf im Jahr 2018 zwar gut 13 % weniger Fleisch als ihre Nachbarn in der Bundesrepublik verzehrt haben; dennoch waren ihre Ausgaben doppelt so hoch. Das liegt laut BLW auch an den Preisen, die in der Schweiz um ein Drittel bis 50 % höher ausfallen als in der Bundesrepublik.

Die geringste Differenz war noch bei Puten- und Truthahnbrust festzustellen, was das BLW damit begründet, dass die beiden Produkte einen hohen Absatzanteil von preisgünstigen Importprodukten im Schweizer Einzelhandel haben. Auffällig sei zudem, dass die relative Preisdifferenz bei weniger edlen Frischeprodukten wie Ragout oder Hackfleisch deutlich geringer ausfalle als bei Edelstücken wie Filet, Steak oder Schnitzel.

Neben den Kosten spielen offenbar die Konsumgewohnheiten für das Ungleichgewicht der Ausgaben eine wesentliche Rolle. So greifen die Schweizer laut Erhebung am häufigsten zu Rinderhack, auf das ein Anteil von 24,8 % am durchschnittlichen Einkaufswarenkorb mit Frischeprodukten entfällt; dahinter folgen Schweineschnitzel mit 19,9 %, Putenbrust mit 14,0 % und Rindersteak mit 13,2 %. Bei den Deutschen sehen die Analysten das Schweineschnitzel mit 17,9 % vorn, gefolgt von gemischtem Hackfleisch mit 17,7 %, Putenbrust mit 17,1 % und mit einigem Abstand erst Rinderhack mit 8,1 %.

Der Griff der Schweizer zu „edleren Produkten“ lässt laut Bundesamt darauf schließen, dass die spezifischen Konsumbedürfnisse die Ausgaben für Fleischprodukte im internationalen Vergleich zusätzlich erhöhen.

Bei Warenkorbvergleichen insbesondere auf internationaler Ebene müsse darum das Einkaufsverhalten der Haushalte als Indikator zukünftig stärker berücksichtigt werden. Bei der Analyse wurden ausschließlich Frischfleisch-Produkte ohne Bio-Siegel berücksichtigt.


Quelle: dpa