Donnerstag, 2. Mai 2019

Enthüllt: Ranger im Zentrum des WWF-Skandals erhalten Prämien für Festnahmen

02.Mai 2019


Recherchen von Survival International zeigen, dass Wildhüter, die vom WWF unterstützt werden, Prämien für Festnahmen erhalten.
Das Bonussystem gibt den Einheiten einen klaren Anreiz, möglichst viele Personen zu verhaften. Lokale Anwohner*innen haben bereits häufig über willkürliche Verhaftungen und andere Misshandlungen von Rangern in der Region geklagt.
Erst gestern hatte eine Analyse kritisiert, dass Menschenrechte in der Arbeit des WWF-Deutschland nur „unzureichend integriert“ seien.
Die Finanzierungsvereinbarung zwischen dem WWF und der EU sieht Boni für Ranger vor, die Personen verhaften. © Survival
Die Zahlungen sind in der Finanzierungsvereinbarung mit der Europäischen Union für die Schaffung des hoch umstrittenen Schutzgebiets Messok Dja in der Republik Kongo geregelt. Darin ist auch festgelegt, dass Informanten Prämien für Informationen gezahlt werden, die zu einer Verhaftung führen.
Der Direktor von Survival International, Stephen Corry, sagte heute: „Das System des WWFbedeutet, dass Wildhüter für jede Person, die sie festnehmen, mehr Geld bekommen – von den Steuerzahlern in der EU. Stellen Sie sich den Aufschrei vor, wenn das für Strafverfolgungsbeamte in Europa gelten würde! Es geht hier nicht um den Verkauf von Autos: Polizeiarbeit sollte nicht auf ‚Provisionsbasis‘ betrieben werden.“
„Jeder, der sich damit beschäftigt hat, weiß, das die Baka und andere Einheimische seit Jahren sagen, dass sie ständig verhaftet werden – und häufig verprügelt, gefoltert und schlimmeres. Jetzt wissen wir, dass es sogar einen Anreiz für die Ranger gibt, sie zu misshandeln. Es versteht sich von selbst, dass die echten Wilderer, gemeinsam mit korrupten Wildhütern und Offiziellen, ungeschoren davonkommen – wie immer."
Der WWF – mit Unterstützung des WWF-Deutschland – treibt das Messok Dja-Projekt voran, obwohl lokale Baka-Indigene, deren Land dafür genutzt werden soll, es entschieden ablehnen. Nach internationalem Recht dürfen solche Projekte nicht durchgeführt werden, wenn die lokale Bevölkerung nicht bereits ihre Zustimmung zu dem Vorschlag gegeben hat.
Ein Baka-Mann sagte gegenüber Survival International: „Für uns ist das wie ein Krieg. Unser Wald ist jetzt für uns verschlossen. Die Ranger töten Menschen für Geld, so erhöhen sie ihr Gehalt.“
Eine investigative Recherche des Nachrichtenseite Buzzfeed hatte kürzlich ergeben, dass der WWF „mit paramilitärischen Kräften zusammenarbeitet, die beschuldigt wurden, viele Menschen geschlagen, gefoltert, sexuell angegriffen und ermordet zu haben, sowie diese zu finanzieren und auszurüsten.“
Buzzfeed veröffentlichte auch interne Dokumente, die zeigen, dass der WWF seit Jahren weiß, dass die Ranger schwerer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt werden, diese aber weiterhin finanzierte.
Untersuchungen zur Arbeit des WWF finden derzeit in den USA, Großbritannien und Deutschland statt. Gestern hatte der WWF-Deutschland im Rahmen der Buzzfeed-Vorwürfe eine Analyse veröffentlicht, die kritisierte, „dass Menschenrechtsaspekte wenig Beachtung“ zu finden scheinen. Obwohl die Analyse vom WWF bezahlt wurde und sich im Wesentlichen auf Informationen stützte, die der WWF selbst bereitstellte, werfen die Ergebnisse ein schlechtes Licht auf die Einhaltung von Menschenrechtsstandards durch den WWF.
SURVIVAL INTERNATIONAL PRESSEMELDUNG

EbM-Netzwerk fordert differenzierte Bewertung von Impfungen und evidenzbasierte Entscheidungshilfen


02.05.2019 
Die zunehmende Forderung nach einer Impfpflicht in Deutschland, zuletzt am 20. April 2019 durch Ärztekammerpräsident Montgomery, ist Anlass für das EbM-Netzwerk, das Thema aus der Perspektive der Evidenzbasierten Medizin (EbM) einzuordnen. Das EbM-Netzwerk fordert eine differenzierte Bewertung von Impfungen und evidenzbasierte Entscheidungshilfen.
Es gibt Impfungen, deren Nutzen unbestritten ist, die Kinderlähmung- und Pockenimpfungen zählen dazu. Daneben gibt es Impfungen mit unklarem Nutzen. Etwa gegen seltene Erreger von Hirnhautentzündung (Meningokokken). Auch wurden – u. a. durch die WHO – sehr umstrittene Impfungen, wie gegen die Schweinegrippe, empfohlen.

Die Impfpläne sind im Ländervergleich sehr unterschiedlich. So wird beispielsweise in der Schweiz die Windpocken-Impfung nur für 11-15-Jährige empfohlen. Für viele Impfempfehlungen bleiben offene Fragen, die erst durch langfristige Beobachtungen und gute Studien geklärt werden können. Unerwünschte Nebenwirkungen von Impfungen sollten ebenfalls differenziert analysiert und bestehende Unsicherheiten offengelegt werden.

Bei spezifischen Impfverfahren sind im Gegensatz zu anderen Eingriffen an gesunden Menschen, wie etwa den Früherkennungsmaßnahmen, auch die Auswirkungen auf das Erkrankungsrisiko anderer Menschen zu berücksichtigen. Gemeinschaftsschutz ist daher ein relevanter Faktor bei der Bewertung von Impfstoffen.

Das Patientenrechtegesetz sichert den Bürgern Aufklärung und informiertes Entscheiden zu. Eine ausnahmslose Impfpflicht steht den legitimierten Ansprüchen der Bevölkerung auf informierte Entscheidungen entgegen.

Das EbM-Netzwerk fordert daher die Bereitstellung von Entscheidungshilfen, die als Grundlage für informierte Entscheidungen eingesetzt werden können. Wir empfehlen differenziert zu jeder einzelnen Impfung aufzuklären. Dies schließt die Offenlegung von Unsicherheiten und ungeklärten Fragen mit ein. Eine ehrliche Aufklärung der Ärzteschaft und der Bevölkerung könnte langfristig das Vertrauen in das Medizinsystem stärken und die Impfbereitschaft für sinnvolle Impfungen erhöhen.

Maßnahmen zu einer Verbesserung der Impfraten sind derzeit bei Weitem nicht ausgeschöpft. Von Zwangsmaßnahmen sollte in einem aufgeklärten demokratischen System Abstand genommen werden.
Quelle:  Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM-Netzwerk)

Nilpferde, die tierischen Siliziumpumpen

01.05.2019
Die Exkremente von Nilpferden spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem der afrikanischen Seen und Flüsse. Weil es immer weniger Nilpferde gibt, ist dieses Ökosystem in Gefahr. Langfristig könnte dies zum Beispiel zu Nahrungsmangel am Viktoriasee führen. Das sind einige der Ergebnisse einer neuen Studie eines internationalen Teams von Forschenden, die im Fachjournal Science Advances erschienen ist. An der Studie war auch Patrick Frings vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam beteiligt.
Wild lebende Nilpferde haben einen einzigartigen Lebensstil: Nachts fressen sie Dutzende Kilogramm frischen Grases in den Savannen. Die Tage verbringen sie zumeist gemeinsam entspannt in Flussläufen oder Seen, weit weg von Feinden und geschützt vor der brennenden Sonne. Während des Faulenzens im Wasser wird allerdings ihre Verdauung aktiv. So gelangen ganz enorme Mengen an Nilpferdgülle in die Gewässer.

„Nilpferde unterscheiden sich da von anderen Großweidern in der Savanne", erklärt der Biologe Jonas Schoelynck von der Universität Antwerpen, der Erstautor der Studie. „Die Nährstoffe in der Gülle der meisten Weidegänger landen größtenteils wieder in der Savanne, wo sie von den Pflanzen erneut aufgenommen werden. Bei Nilpferden ist dies nicht der Fall: Sie fungieren als eine Art Nährstoffpumpe vom Land in die Flüssen und Seen.“ In der nun veröffentlichten Studie zeigen die Forschenden um Schoelynck und Frings, dass diese Pumpenfunktion für das Leben im Wasser von entscheidender Bedeutung sein kann. Die Ergebnisse stammen aus einer Expedition zum knapp vierhundert Kilometer langen Mara River im Masaai Mara Nature Reserve in Kenia.

Nilpferd-Exkremente im Labor untersucht

„Das Gras, das die Nilpferde fressen, enthält Silizium“, erklärt Jonas Schoelynck. „Die Gräser nehmen dieses Silizium aus dem Grundwasser auf. Es gibt ihnen die nötige Festigkeit, schützt sie vor Krankheiten und in begrenztem Maße vor der Beweidung durch Kleintiere.“ Patrick Frings aus der Sektion Geochemie der Erdoberfläche des GFZ hat im Labor die Isotopenzusammensetzung des Siliziums in Proben von Pflanzen, Wasser und Nilpferd-Exkrementen analysiert. Diese liefert eine Art chemischen Fingerabdruck einer Stoffprobe. „Mithilfe der Isotopenanalyse konnten wir den Transportweg des Siliziums rekonstruieren“, erklärt Frings.

Die Forschenden konnten zeigen, dass das Silizium zu einem großen Teil durch (sic!) die Nilpferde in den Mara River gelangte. In dem untersuchten Gebiet im Südwesten Kenias nahmen die grasenden Tiere über die von Ihnen vertilgten Pflanzen täglich insgesamt 800 Kilogramm an Silizium auf. Davon landeten täglich 400 Kilogramm über die Ausscheidung mit dem Nilpferdkot im Wasser. Der Beitrag der Nilpferde hat durch verschiedene ökologische Mechanismen Einfluss auf über 76 Prozent des entlang des Mara River transportierten Siliziums, zeigen Berechnungen der Forschenden. Nilpferde sind demnach ein Schlüsselfaktor im biogeochemischen Silizium-Kreislauf bestimmter Gebiete.

„Unsere Ergebnisse sind völlig neuartig“, sagt Patrick Frings vom GFZ. „Bisher ging man nicht davon aus, dass weidende Wildtiere einen solchen Einfluss auf den Silizium-Transport vom Land in Seen haben könnten. Dieser Prozess ist für das gesamte Land-Wasser-Ökosystem von entscheidender Bedeutung. In der Vergangenheit wurde er aber einfach übersehen.“

Eine Welt ohne Nilpferde

Für bestimmte Organismen wie etwa Kieselalgen sei das Silizium lebensnotwendig, so die Forschenden. Diese einzelligen Algen leben im Wasser, produzieren Sauerstoff und bilden in vielen meisten Wasserökosystemen die Grundlage der Nahrungskette. Im Falle eines Siliziummangels könne die Kieselalgenpopulation zusammenbrechen, mit schädlichen Folgen für das gesamte Nahrungsnetz im betroffenen See oder Fluss.

Die Anzahl der Nilpferde in Afrika sei in den vergangenen Jahren durch Jagd und Verlust von Lebensräumen drastisch zurück und ihre Funktion als tierische Siliziumpumpen damit zum Teil verloren gegangen. Afrikaweit seien in den vergangenen Jahrzehnten bis zu neunzig Prozent der Nilpferde ausgestorben. „Der Viktoriasee, in den der Mara River mündet, kann mit seiner aktuellen Siliziumversorgung zwar noch mehrere Jahrzehnte überdauern“, sagt Jonas Schoelynck. „Aber auf lange Sicht gibt es wahrscheinlich ein Problem. Wenn die Kieselalgen nicht genügend Silizium bekommen, werden sie durch Schädlingsalgen ersetzt, die alle möglichen unangenehmen Folgen haben, wie etwa Sauerstoffmangel und ein damit verbundenes Fischsterben. Und das Fischen ist eine wichtige Nahrungsquelle für die Menschen am Viktoriasee."
Quelle:   Helmholtz-Zentrum Potsdam   Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Nilpferde, die den Tag gemeinsam in einem ruhigen Abschnitt des Mara River in Kenia verbringen.

Nilpferde, die den Tag gemeinsam in einem ruhigen Abschnitt des Mara River in Kenia verbringen.                Jonas Schoelynck

Samstag, 27. April 2019

Dunkle Wolken über Traditions-Chemiekonzern Bayer

 Bonn - Wegen des Kaufs des umstrittenen US-Konzerns Monsanto hat die Führungsriege des Agrarchemiekonzerns Bayer bei ihren Aktionären massiv an Vertrauen verloren.
Die Anteilseigner verweigerten dem Vorstand am Freitag überraschend die Entlastung: 55,5 Prozent des anwesenden Grundkapitals stimmten dagegen und nur 44,5 Prozent dafür. Für Vorstandschef Werner Baumann war das eine schallende Ohrfeige - normalerweise bekommt die Leverkusener Chefetage bei ihrer alljährlichen Hauptversammlung eine Zustimmung von etwa 97 Prozent. Das Votum hat allerdings keine direkten Folgen für den Vorstand, die Entlastung gilt eher als formaler Schritt.

Bei der 13-stündigen Veranstaltung in einem Bonner Kongresszentrum waren zahlreiche Großaktionäre hart ins Gericht gegangen mit der Chefetage. Mit Blick auf Imagekratzer durch die Klagewelle wegen angeblicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat in den USA und den rapiden Kursverfall der Bayer-Aktie an der Börse sagte etwa Mark Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): «Nie zuvor hat ein Dax-Konzern Reputation und Wert so schnell eingebüßt - das ist eine Schande.»

Kritik kam auch vom Analysten Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment: «Die Bayer-Führung hat die Rechtsrisiken des Monsanto-Deals offenbar völlig unterschätzt.» Seit 2018 hat Bayer in den USA zwei Gerichtsschlappen hinnehmen müssen, der Konzern wurde zu hohem Schadenersatz an Krebskranke verurteilt. Dagegen geht Bayer aber in Berufung. Insgesamt müssen sich die Leverkusener, die 2018 den Konkurrenten und Saatguthersteller Monsanto übernommen hatten, in den USA mittlerweile 13 400 Schadenersatzklagen wegen Glyphosat stellen - und die Zahl dürfte weiter steigen.

Bayer-Chef Werner Baumann beteuerte erneut, dass Glyphosat «bei sachgerechter Anwendung ein sicheres Produkt» sei. Mit Blick auf die krebskranken Kläger in den USA sagte der Manager: «Glyphosat-basierte Produkte sind nicht der Grund für ihre schweren Erkrankungen.»

Baumanns Beteuerungen konnten die tiefen Sorgenfalten der anwesenden Anteilseigner aber nicht glätten. Die Rechtsrisiken durch Monsanto seien für das 1863 gegründete Traditionsunternehmen «riesig und unkalkulierbar», monierte Nicolas Huber von der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS. «Wir Aktionäre haben große Bedenken um den Fortbestand einer 150 Jahre alten und größtenteils erfolgreichen deutschen Industriegeschichte.» Ingo Speich von der Deka, die zu den Top-10-Anteilseignern von Bayer zählt, sprach von einem «Scherbenhaufen» und sagte mit Blick auf den Kursverfall: «Innerhalb von nur zwei Jahren ist der einstige Pharmagigant zu einem Zwerg mutiert.» Es gebe die Gefahr, übernommen oder sogar zerschlagen zu werden.

Baumann antwortete auf die Kritik ruhig und blieb bei seiner Linie: Man dürfe angesichts der Kurseinbußen zwar nichts beschönigen, dennoch sei der Monsanto-Kauf auf lange Sicht der richtige Schritt gewesen. «Wir halten die Monsanto-Akquisition nach wie vor für werthaltig und strategisch richtig.»

Man habe die Übernahme vorab gründlich geprüft, sagte der Manager. Aber war es überhaupt möglich, die Rechtsrisiken vorher genau einzuschätzen? Aktionäre meldeten Zweifel an - Monsanto sei auch börsennotiert gewesen, möglicherweise durften die US-Amerikaner in den Übernahmeverhandlungen gar nicht alle Karten auf den Tisch legen. Baumann ließ auch diesen Vorwurf abperlen - die Tiefenprüfung des Unternehmens (Due Diligence) sei «marktüblich» gewesen.

Kritik bei Aktionärstreffen ist - auch bei Bayer - durchaus üblich. Unüblich waren am Freitag hingegen ihre Schärfe und die Ankündigung mehrerer Großaktionäre, gegen die Entlastung zu stimmen. Im Jahr 2002 hatte es wegen des Lipobay-Skandals für den damaligen Vorstand nur 90 Prozent gegeben - zuvor hatte Bayer den Cholesterinsenker, der im Zusammenhang mit mehreren Todesfällen stand, vom Markt genommen. Dieser Wert galt als extrem schlecht - und wurde bei dem Votum am späten Freitagabend deutlich gerissen.

Die Abstimmung wird die Stellung von Unternehmenschef Baumann womöglich schwächen. Allerdings gab der Aufsichtsrat nach einer eilig einberufenen Sitzung am frühen Samstagmorgen dem Konzernlenker demonstrativ Rückendeckung. Man stehe «geschlossen hinter dem Vorstand», hieß es von Seiten des Kontrollgremiums. Man werde den Vorstand dabei «unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre und weiterer Stakeholder in das Unternehmen und seine Strategie schnellstmöglich und vollständig wieder zurückzugewinnen».

Auch der Versammlungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning hatte bei der Hauptversammlung einen Dämpfer bekommen. Sein Kontrollgremium wurde nur mit 66,4 Prozent des vertretenen Grundkapitals entlastet, nach 98 Prozent im Vorjahr.

Bei der Hauptversammlung hatte der 56-jährige Baumann im Kreuzverhör der Anteilseigner beteuert, dass sich der Aktienkurs erholen werde: «Wir setzen alles daran, den Wert unseres Unternehmens wieder in die Bereiche zu führen, wo er hingehört.» Zudem wies er auf gute Zahlen hin - tatsächlich hatte Bayer sich zum Jahresauftakt betriebswirtschaftlich insgesamt gut entwickelt, der Umsatz legte deutlich zu. Doch die dunklen Wolken wegen der Monsanto-Rechtsrisiken trübten die Stimmung der Aktionäre nachhaltig.

Während in das Bonner Kongresszentrum WCCB rund 3.600 Aktionäre gekommen waren, sorgten vor den Türen des Gebäudes bis zu 700 Demonstranten am Morgen für lautstarken Protest - die meisten von ihnen waren junge Menschen aus der «Fridays-for-Future»-Bewegung. Große Agrarkonzerne wie Bayer seien schlecht für die Umwelt und damit für die Zukunft, sagte Aktivist Felix Pohl draußen auf der Straße.

Zehn Stunden später tauchte der 20-Jährige dann in dem Kongresszentrum auf und prangerte die «Profitgier» von Bayer an. Nach seinem Redebeitrag skandierte mit einigen Mitstreitern im Saal: «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.» Diesmal war der Chor der Aktivisten allerdings leiser als am Morgen, als Hunderte von ihnen den «Fridays»-Slogan geschrien hatten.

Pohls Frage, wie viel Liter Pestizide Bayer im vergangenen Jahr produziert habe, führte allerdings zu keinen neuen Erkenntnissen: Man veröffentliche Umsätze in der Agrarsparte, aber keine Mengen, entgegnete Baumann dem «Fridays»-Aktivisten.


Quelle: dpa

Freitag, 26. April 2019

Landwirtschaftliche Produkte aus Brasilien boykottieren

Brasília/Brüssel - Keine Geschäfte um jeden Preis: Hunderte Wissenschaftler und Ureinwohner haben die EU dazu aufgerufen, bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Brasilien auf den Schutz der Umwelt und die Einhaltung der Menschenrechte zu bestehen.
«Brasiliens Wälder, Feuchtgebiete und Savannen sind entscheidend für die große Vielfalt der indigenen Völker, die Stabilität des globalen Klimas und die Erhaltung der Biodiversität», heißt es in einem offenen Brief in der Fachzeitschrift «Science». «Wir rufen die EU dazu auf, ihre Chance zu nutzen, um die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt sicherzustellen.»

Unterzeichnet wurde das Schreiben von über 600 Wissenschaftlern aus EU-Staaten und den Vertretern von zwei Dachorganisationen der brasilianischen Ureinwohner, die rund 300 indigene Völker vertreten.

Der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro will den Schutz des Amazonasgebiets zurückfahren und den Regenwald stärker wirtschaftlich nutzen. Die EU verhandelt seit Jahren mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur über ein Freihandelsabkommen. Die Gespräche gelten allerdings als festgefahren. Uneinigkeit herrscht vor allem im Bereich der Landwirtschaft.

Durch den Import landwirtschaftlicher Produkte sei die EU mitverantwortlich für die großflächige Abholzung in Brasilien, hieß es in einer Erklärung der Unterzeichner des offenen Briefs. «Wir wollen, dass die EU aufhört, Abholzung zu importieren und stattdessen ein Vorbild für nachhaltigen Handel wird», sagte Laura Kehoe von der Universität in Oxford laut einer Mitteilung. Der brasilianische Wissenschaftler Tiago Reis sagte: «Das Zeitfenster, um desaströse Folgen des Klimawandels zu vermeiden, schließt sich. Die Schulstreiks und Klima-Proteste in Europa haben gezeigt, dass wir nicht länger bereit sind, Produktionsweisen hinzunehmen, die Klimawandel verursachen.»

Die Entwaldung bedrohe viele Arten, setze große Mengen an Kohlendioxid frei, und sie gefährde die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung, sagte Tobias Kümmerle von der Humboldt-Universität in Berlin. «Wir sollten auch beim Import von Agrarprodukten höhere Standards in Bezug auf Umwelt und Menschenrechte anlegen, da diese Produktion erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaften in den Herkunftsländern hat.»

Die Nichtregierungsorganisation Amazon Watch warf ihrerseits Unternehmen aus Europa und den USA vor, durch ihre Geschäftsbeziehungen nach Brasilien die Abholzung des Regenwaldes zu befeuern. «Unsere Untersuchung zeigt, wie die globalen Märkte die schlimmsten Akteure der brasilianischen Landwirtschaft stützen», sagte Christian Poirier von Amazon Watch. «Sie unterstützen brasilianische Firmen, die für die zunehmende Abholzung und den Anstieg von Menschenrechtsverletzungen gegen die indigenen Gemeinschaften und die Landbevölkerung verantwortlich sind.»

Die niederländische Nichtregierungsorganisation Profundo hat die Geschäftsbeziehungen von 56 wegen Umweltvergehen in Brasilien verurteilte Firmen analysiert. Zu den Kunden der Umweltsünder gehören demnach Unternehmen in den USA, Kanada und Europa. Zudem sollen laut dem Bericht Banken aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA die brasilianischen Firmen mit Krediten versorgen.

«Wir benötigen Hilfe, damit die Dinge sich ändern», sagte die Koordinatorin der indigenen Dachorganisation APIB, Sônia Guajajara. «Wir rufen die internationalen Konsumenten dazu auf, landwirtschaftliche Produkte aus Brasilien zu boykottieren, bis sich die brasilianische Regierung des Schutzes des indigenen Landes annimmt, und etwas gegen die Gewalt gegen Ureinwohner tut. Wir wollen Frieden, damit unsere Leute ein gutes und würdiges Leben führen können.»
dpa

Samstag, 16. März 2019

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Sonntag, 10. März 2019

Wie befällt der Borkenkäfer die Bäume?


Borkenkäfer sind nur wenige Millimeter groß. Bei einer Massenvermehrung können sie enorme Schäden in Wäldern anrichten.
Bei entsprechender Witterung wachsen vom Buchdrucker, der für ältere Fichtenbestände gefährlich ist, und vom Kupferstecher, der Jungwuchs bevorzugt, pro Jahr bis zu vier Generationen heran, wie Hessenforst mitteilte. Die Käfer bohren sich durch die Rinde und legen ihre Eier ab. Die Schicht, die den Baum mit Wasser und Nährstoffen versorgt, wird bei der Entwicklung der Brut geschädigt.
Auf das Bohren der Käfer reagieren Fichten mit Harzfluss und können sich so gegen einzelne Angriffe gut wehren. Bei anhaltender Trockenheit und einem Massenanflug von Borkenkäfern versagt die Abwehr jedoch. Fachleute können befallene Bäume im Wald leicht am Bohrmehl erkennen. Diese Bäume werden gefällt, entrindet und abtransportiert, um eine weitere Verbreitung einzudämmen.
Es gibt mehr als 100 Borkenkäferarten in Europa. Die für die Bäume gefährlichsten Arten sind Buchdrucker und Kupferstecher, die vor allem Fichten befallen, sowie der Lärchenborkenkäfer. Die Tiere sind 0,8 bis neun Millimeter lang, von dunkelbrauner bis schwarzer Farbe.
Die Käfer schwärmen meist von April an. Das Männchen bohrt sich unter die Rinde und legt dort Begattungskammern an. Die Weibchen, angelockt durch Sexualdüfte, legen dann ihre Eier ab. Daraus entwickeln sich Larven, die eigene Larvengänge anlegen, die in einer Puppenwiege enden. Dort schlüpft der Jungkäfer und frisst sich aus der Rinde. Gefährdet sind vor allem vorgeschädigte Bäume.